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Entscheidungen treffen

Jemandem eine Entscheidung abnehmen ist etwas anderes als die Entscheidung, abzunehmen. Die erste fällt mir leicht, weil ich mich als Helfer inszeniere und weil es nicht meine ist, die zweite schwer, weil sie mich fordert, indem der innere Schweinehund, den wir bereits in diesem Blog kennengelernt haben, an seiner Kette zerrt und vernehmlich knurrt.



Es ist einfach, Entscheidungen zu treffen, die nur eine Weichenstellung darstellen. Nichts ist jedoch schwerer als eine Entscheidung, bei der es mit ihr nicht getan ist.

Entscheiden heißt überwinden. Wie die Enttäuschung stets das Ende einer Täuschung ist, so ist die Entscheidung das Ende eines Scheidungsvorganges, mit dem ich mich schwer tue. Es gibt nicht nur Positives, was wir zugunsten der Entscheidung sagen können. Beendet eine Entscheidungsschlacht einen Krieg, so etwa den Rosenkrieg noch lange nicht die Entscheidung zur Trennung. Haben überdies Entscheidungen den performativen Charakter eines Tschingderassa, so werden aus Freunden Zaungäste.

Eine im Berufsalltag jedem geläufige, häufige und allbekannte Situation der Entscheidung ist sicher die eines Bombenentschärfers, der vor sich in einem Kasten mit eng gepackten und verklebten Dynamitstangen zwei Kabel sieht, ein grünes und ein gelbes, und darüber eine rückwärts laufende Sekundenanzeige. Zur Abwägung der Alternativen (gelb oder grün durchtrennen) kommt der Zeitdruck, der manche Entscheidung belastet. Nicht allein WAS entschieden wird, sondern WANN, scheint mitunter ein wichtiges Merkmal für eine Entscheidung zu sein. Die Griechen nannten „kairós“ den richtigen Augenblick, zu dem man das richtige Kabel spätestens zu durchtrennen hat, zu dem man Aktien auf der Pike ihrer Amplitude verkaufen könnte, bevor der Kurs stürzt.

Darüber, ob eine Entscheidung, die wir getroffen haben, richtig war, informiert uns der Erfolg, an dem sie teilhat. Ob eine Entscheidung jedoch wichtig war, informiert uns das Leben, wenn wir sie NICHT getroffen haben.


Dazu wählen wir das kleine Gleichnis von Buridans Esel. Dieses Tier steht, einer alten Fabel zufolge, genau in der Mitte zweier Heuhaufen, beide liegen gleich weit von ihm entfernt, beide in gleicher Menge und Qualität. Der Esel ist in der Mitte stehen geblieben, lange, lange, und musste schließlich zwischen beiden Heuhaufen verhungern. Warum? Weil er sich nicht entscheiden konnte. Je ähnlicher sich die Alternativen ausnehmen, umso schwerer fällt die Entscheidung.


Doch was heißt das nun? Gibt es aus all diesen genannten Beispielen eine umfassende Lehre über das Wesen der Entscheidung? Wie bei kaum einem anderen Stichwort zu unserer Lebensmeisterung als dem der Entscheidungen laufen das Schicksalhafte und die Simplizität auseinander. Sie zu treffen ist einfach, ihre Auswirkungen sind enorm. Wir müssen unser Leben führen. Für Jean Paul Sartre bedeutet die Entscheidung das, was wir das Gemeinsame von Willen und Wahl nennen können. Haftet dem Willen etwas Unbewusstes an, etwas Blindes und selten Beherrschbares, so ist die Wahl höchste Tätigkeit des Bewusstseins. In der Entscheidung finden sich beide Dimensionen ethisch verbunden.


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